Mit dem Jaguar Elektro-GT 2026 wagt die britische Traditionsmarke den radikalsten Neustart ihrer 90-jährigen Geschichte. Jaguar verkauft seit Ende 2024 kein einziges Neuwagen-Modell mehr. Die gesamte bisherige Palette – F-Pace, XF, alles – wurde eingestellt. Stattdessen bereitet die britische Traditionsmarke den radikalsten Neustart ihrer 90-jährigen Geschichte vor: Ab 2026 soll ein vollelektrischer Gran Turismo mit über 1.000 PS den Weg in eine komplett neue Preisklasse ebnen. Anfang Februar 2026 durften Journalisten den intern als „001″ bezeichneten Prototyp erstmals auf Eis und Schnee in Nordschweden selbst fahren. Der Weg dorthin war alles andere als geradlinig.
Was Jaguar vorhat – und warum es so radikal sein muss
Jaguar war über Jahre ein Problemkind im JLR-Konzern (Jaguar Land Rover, im Besitz der indischen Tata Group). Während Range Rover und Defender hohe Margen einfuhren, verlor Jaguar im Wettbewerb mit BMW, Mercedes und Audi zunehmend an Relevanz. Die Verkaufszahlen sanken, die Marke galt als austauschbar.

Die Lösung: Ein kompletter Reset. Seit 2021 verfolgt JLR die Strategie, Jaguar zur reinen Elektromarke umzubauen und gleichzeitig preislich deutlich nach oben zu positionieren – weg von der deutschen Premium-Konkurrenz, hin in Richtung Bentley und Porsche. Drei neue Modelle auf einer eigens entwickelten Plattform (Jaguar Electric Architecture, kurz JEA) sollen kommen. Erstes Modell: ein viertüriger Elektro-GT, intern Codename X900. Danach ein SUV und möglicherweise ein Sportwagen – beides vor 2030.
Der bewusst gewählte Verkaufsstopp zwischen dem Auslaufen der alten Modelle und dem Start der neuen ist in der Autobranche beispiellos. Rund ein Jahr lang hat Jaguar faktisch kein Neufahrzeug im Angebot. Das ist ein enormes Risiko, aber aus Sicht der Verantwortlichen nötig, um den Bruch mit der Vergangenheit glaubhaft zu machen.
Das Rebranding: Warum Jaguar zum Meme wurde
Im November 2024 präsentierte Jaguar seine neue Markenidentität – und löste damit einen der größten Shitstorms der Automobilgeschichte aus.
Was passiert ist
Die von Accenture Song – der Kreativagentur des Beratungskonzerns Accenture – entwickelte Kampagne zeigte ein 30-Sekunden-Video mit dem Titel „Copy Nothing“. Darin zu sehen: bunt gekleidete Models in einer surrealen Landschaft. Kein Auto, kein Motor, kein Hinweis auf einen Autohersteller. Die Slogans: „Live Vivid“, „Delete Ordinary“, „Create Exuberant“. Das ikonische Jaguar-Leaper-Logo wurde durch ein minimalistisches Wortzeichen ersetzt: „JaGUar“.
Elon Musk kommentierte auf X nur: „Do you sell cars?“ – und fasste damit die Stimmung ziemlich treffend zusammen.
Die Zahlen dahinter
Die Kampagne erzeugte rund eine Milliarde Impressionen und einen Anstieg der Markenwahrnehmung um 1.300 %. Problem: Der Großteil davon war negativ. Im April 2025 wurden europaweit nur noch 49 Jaguar-Neufahrzeuge zugelassen – ein Rückgang von 97 %. Fairerweise: Dieser Einbruch geht primär auf den geplanten Produktionsstopp zurück, nicht nur auf das Rebranding. Aber die öffentliche Wahrnehmung hat das nicht einfacher gemacht.
Das Type-00-Konzept
Anfang Dezember 2024 stellte Jaguar auf der Art Basel in Miami das Konzeptfahrzeug „Type 00″ vor – ein zweitüriger, extrem kantiger Elektro-GT in den Farben „Miami Pink“ und „London Blue“. Das Design polarisierte erneut massiv. Jaguar-Chef Rawdon Glover verteidigte die Linie: „Wir sind in Ordnung damit, zu polarisieren. Was wir nicht tun sollten, ist zu versuchen, von allen geliebt zu werden.“

Der Machtkampf hinter den Kulissen
Neuer CEO, alter Designchef – und ein abruptes Ende
Im August 2025 trat CEO Adrian Mardell zurück. Sein Nachfolger: P.B. Balaji, zuvor CFO bei Tata Motors – ein Finanzmann des Mutterkonzerns, kein Autobauer aus Leidenschaft. Das Signal war deutlich: Tata will stärkere Kontrolle über JLR.
Nur wenige Wochen nach Balajis Amtsantritt am 17. November 2025 folgte der nächste Paukenschlag: Am 1. Dezember 2025 berichteten Autocar und Autocar India übereinstimmend, dass Chief Creative Officer Gerry McGovern mit sofortiger Wirkung entlassen und aus dem Gebäude eskortiert worden sei. McGovern war seit 21 Jahren bei JLR, verantwortlich für den erfolgreichen Range Rover Evoque, den Defender-Reboot – und für die gesamte Jaguar-Neuausrichtung inklusive Type 00.
Erst zwölf Tage später reagierte JLR mit einem knappen Statement: „Es ist unwahr, dass wir Gerry McGoverns Beschäftigung beendet haben.“ Ob er tatsächlich noch im Amt ist, wurde nicht bestätigt. Ein internes Memo soll zuvor bereits Unzufriedenheit über die mangelnde Einbindung des hauseigenen Designteams in das Rebranding zum Ausdruck gebracht haben – die Arbeit von Accenture Song wurde intern offenbar kritisch gesehen.
Was das für das Design der kommenden Modelle bedeutet, ist offen. Die Serienversion des GT befindet sich in der Endphase der Entwicklung, das Grunddesign dürfte stehen. Ob die weiteren zwei geplanten Modelle aber McGoverns Vision folgen, ist nach dem Führungswechsel fraglich.
Der neue Jaguar Elektro-GT 2026: Technik und Fakten
Technische Daten (Stand Februar 2026)
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Typ | Viertüriger Gran Turismo |
| Interner Codename | 001 (Plattform: X900) |
| Plattform | Jaguar Electric Architecture (JEA) |
| Elektrisches System | 800 Volt |
| Motoren | 3 (1× Vorderachse, 2× Hinterachse) |
| Systemleistung | ca. 775 kW (1.050 PS) |
| Drehmoment | über 1.300 Nm |
| Drehmomentverteilung | 30:70 (vorne:hinten), variabel |
| 0–100 km/h | ca. 3 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
| Batteriekapazität (netto) | ca. 120 kWh |
| Reichweite (WLTP) | ca. 700 km |
| Max. DC-Ladeleistung | 350 kW |
| Laden (10–80 %) | ca. 15 Minuten |
| Länge | über 5.200 mm |
| Radstand | ca. 3.200 mm |
| Höhe | ca. 1.400 mm |
| Gewicht | ca. 2.800 kg |
| Räder | 23 Zoll (serienmäßig) |
| Hinterachslenkung | bis 6° |
| Federung | Luftfederung mit aktiven Twin-Valve-Dämpfern |
| Wendekreis | ca. 11,5 m |
| Heckscheibe | Keine – Kamera + digitaler Innenspiegel |
| Dach | Glasdach über gesamte Länge |
| Fertigung | Solihull, England |
| Enthüllung | Spätsommer 2026 |
| Marktstart / Auslieferungen | voraussichtlich Frühjahr 2027 |
| Einstiegspreis (geschätzt) | ab ca. 150.000 € (Europa) / ~130.000 USD (USA) |
Erste Testfahrten am Polarkreis (Februar 2026)

Anfang Februar 2026 lud Jaguar erstmals Journalisten nach Arjeplog in Nordschweden ein, um den GT-Prototypen bei bis zu minus 17 Grad selbst auf zugefrorenen Seen zu fahren. Die wesentlichen Eindrücke aus den Berichten von Auto Bild, Auto Motor und Sport und elektroauto-news.net:
Das Fahrgefühl wird übereinstimmend als souverän und überraschend agil beschrieben – trotz des Gewichts von rund 2,8 Tonnen. Der Allradantrieb verteilt das Drehmoment blitzschnell zwischen den drei Motoren. Die Sitzposition ist ungewöhnlich flach, die lange Motorhaube vor dem Bug erinnere an den legendären E-Type. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Gaydon beschleunigte der Testingenieur in wenigen Sekunden auf über 200 km/h – die Elektro-Katze lag dabei laut Berichten „wie ein Brett auf der Piste“.



Der Charakter: Eher Bentley als Porsche. Leise, souverän, mit enormem Vorwärtsdrang, aber ohne den sportlich-nervösen Charakter eines Taycan. Die Luftfederung und der lange Radstand sorgen für eine bemerkenswert ruhige Lage. Gleichzeitig soll der GT auf den Handling-Parcours überraschend handlich gewesen sein. Jaguar arbeitet noch am virtuellen Elektro-Sound, der den Prototypen bei den Tests fehlte.

Entwicklungschef Jon Darlington und Projektmanager Rawdon Glover betonten: „So einen Jaguar hat es noch nicht gegeben.“ Insgesamt sind rund 150 Prototypen weltweit im Einsatz – das umfangreichste Validierungsprogramm der Unternehmensgeschichte.
Wie sich der Jaguar GT einordnet
| Modell | Leistung (kW) | Batterie (kWh) | Reichweite WLTP (km) | DC-Laden (kW) | Preis ab (€) |
|---|---|---|---|---|---|
| Jaguar GT (2026) | ~775 | ~120 | ~700 | 350 | ~150.000 |
| Porsche Taycan Turbo GT | 620 | 97 | ~555 | 320 | ~196.000 |
| Audi e-tron GT RS | 475 | 97 | ~495 | 270 | ~155.000 |
| Mercedes EQS 580 4MATIC | 400 | 108 | ~682 | 200 | ~141.000 |
| BMW i7 M70 xDrive | 485 | 102 | ~560 | 195 | ~170.000 |
Der Jaguar GT positioniert sich technisch auf Augenhöhe mit dem Porsche Taycan Turbo GT, preislich jedoch darunter. Bei Reichweite, Batteriekapazität und Ladeleistung liegt er an der Spitze des Vergleichsfelds. Die 700 km WLTP-Reichweite und 350 kW DC-Laden wären – sofern sie in der Praxis bestätigt werden – starke Argumente in dieser Klasse.
Gleichzeitig bewegt sich Jaguar in einem Segment, das bisher kaum jemand rein elektrisch bedient: oberhalb der etablierten Premium-Limousinen, aber unterhalb der Ultra-Luxus-Marken wie Bentley und Rolls-Royce. Ob genug Käufer bereit sind, 150.000 € und mehr für ein Auto einer Marke auszugeben, die seit über einem Jahr nichts verkauft hat, bleibt die zentrale Frage.
Was das für Österreich bedeutet
Konkrete Informationen zur österreichischen Markteinführung des Jaguar GT gibt es Stand Februar 2026 noch nicht. Jaguar betreibt in Österreich weiterhin ein Händlernetz, das derzeit primär Gebrauchtfahrzeuge und Service abwickelt.
Steuerliche Rahmenbedingungen
Die NoVA (Normverbrauchsabgabe) entfällt für reine Elektrofahrzeuge weiterhin – das bleibt ein relevanter Vorteil, gerade in dieser Preisklasse. Allerdings hat sich bei der motorbezogenen Versicherungssteuer (mVSt) ein entscheidender Wandel vollzogen: Per 1. April 2025 wurde die bisherige Steuerbefreiung für E-Autos mit dem Budgetsanierungsmaßnahmengesetz 2025 aufgehoben (BGBl. I Nr. 7/2025). Das gilt sowohl für bestehende als auch für neue Elektrofahrzeuge. Die Berechnung erfolgt auf Basis von Nenndauerleistung (kW) und Eigengewicht (kg) – bei einem Fahrzeug mit den Dimensionen und der Leistung des Jaguar GT wird das ein spürbarer Betrag.
Förderungen
Eine direkte Kaufförderung für E-Pkw durch den Bund gibt es für Privatpersonen in Österreich aktuell nicht mehr. Das Programm „eMove Austria“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI, Minister Peter Hanke) fördert derzeit E-Zweiräder und Ladeinfrastruktur, nicht aber den Pkw-Kauf. Die frühere E-Mobilitätsoffensive mit bis zu 5.000 € Förderung (3.000 € BMK + 2.000 € Importeure) lief aus und hatte ohnehin eine Brutto-Listenpreis-Obergrenze von 60.000 € – für ein Fahrzeug ab 150.000 € war sie nie relevant.
Für Firmenkunden bleibt der Vorsteuerabzug für E-Pkw bestehen. Beim Sachbezug für Dienstwagen liegt der Vorteil darin, dass für rein elektrische Fahrzeuge kein Sachbezug anfällt – allerdings nur bis zu einem Brutto-Listenpreis von 40.000 €. Darüber wird anteilig berechnet. Bei einem Einstiegspreis von rund 150.000 € relativiert sich dieser Vorteil deutlich.
Ladeinfrastruktur
Das 800-Volt-System des Jaguar GT ist mit der aktuellen österreichischen HPC-Infrastruktur kompatibel. IONITY, Smatrics EnBW und Tesla Supercharger bieten entlang der Hauptverkehrsrouten Schnellladestationen mit entsprechender Leistung. Laut BEÖ (Bundesverband Elektromobilität Österreich) umfasst das öffentliche Ladenetz in Österreich mittlerweile über 36.000 Ladepunkte (Stand Jänner 2026). Die Zahl der Ultra-Schnellladepunkte (150+ kW) hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt – auf rund 3.500. Smatrics EnBW allein betreibt 655 HPC-Ladepunkte an 109 Standorten, viele davon mit bis zu 400 kW Ladeleistung. Die von Jaguar beworbenen 350 kW DC-Ladeleistung lassen sich an diesen Stationen also voll ausschöpfen.

FAQ
Wann kommt der neue Jaguar GT auf den Markt?
Die offizielle Enthüllung ohne Tarnung ist für den Spätsommer 2026 geplant. Bestellungen sollen danach angenommen werden, erste Auslieferungen sind voraussichtlich ab Frühjahr 2027 zu erwarten. Im Februar 2026 laufen bereits intensive Prototypentests weltweit – auch mit ausgewählten Journalisten am Steuer.
Was wird der neue Jaguar GT kosten?
Einen offiziellen Preis gibt es noch nicht. Verschiedene Quellen – darunter Auto Bild, Edison Media und elektroauto-news.net – gehen übereinstimmend von einem Einstiegspreis ab mindestens 150.000 € in Europa aus. In den USA wird mit rund 130.000 US-Dollar gerechnet. Damit positioniert sich der GT deutlich über den bisherigen Jaguar-Modellen.
Gibt es neben dem GT noch weitere neue Jaguar-Modelle?
Ja, insgesamt sind drei Modelle auf der JEA-Plattform geplant. Nach dem GT sollen ein SUV und möglicherweise ein Zweisitzer-Sportwagen folgen – beides vor 2030. Konkrete Zeitpläne gibt es dafür noch nicht.
Hat Jaguar seinen Designchef wirklich gefeuert?
Die Lage ist unklar. Anfang Dezember 2025 berichteten mehrere Medien, dass Gerry McGovern mit sofortiger Wirkung entlassen wurde. JLR dementierte erst zwölf Tage später mit einem knappen Statement, bestätigte aber nicht, ob McGovern noch im Amt ist. Der Vorfall fällt in den Führungswechsel unter dem neuen CEO P.B. Balaji.
Ist Jaguars Elektro-Strategie realistisch?
Das Risiko bleibt hoch. Jaguar setzt alles auf rein elektrische Modelle in einem Preissegment, das die Marke bisher nicht bedient hat – während andere Hersteller ihre E-Auto-Pläne teilweise zurückfahren. Es gibt kein Fallback: Verbrenner- oder Hybridmodelle sind nicht geplant, und ein entsprechendes Gerücht der Sunday Times wurde von Jaguar als „Müll“ zurückgewiesen. Wenn der GT bei der Zielgruppe ankommt, kann es funktionieren. Wenn nicht, hat Jaguar kein zweites Standbein.
